Neu und Aktuell

Insider Kolumne, Deutscher Drucker 03.05. 2012

Gefahrenstelle Zielkonflikt: Wichtig und dringlich?

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Creativ Printing Konferenz vom 17.04. 2012 in Wien

Unter den folgenden Links lesen Sie die Veröffentlichungen zur Creativ Printing Konferenz 2012 in Wien:

http://www.wallstreet-online.de/nachricht/4905076-creative-printing-verbraucher-print-web


http://www.mmflash.at/index.php?id=188&tx_ttnews%5Btt_news%5D=4622&anchor=46
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http://www.4-c.at/stories/artikel/aid/10564/Top_Event/Das_war_die_Creative_P
rinting_2012?af=Home.TopRead#/stories/artikel/aid/10564/Top_Event/Das_war_di
e_Creative_Printing_2012?af=Artikel.GStrip&pos=33

Pressemitteilung EWA Kapazitätsstatistik 2011

Hohe Kapazitätsauslastung auch in 2011

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Online Handelskongress 2012

„Online wird zu No-Line Handel“ Der Kreis schließt sich – Die Zukunft ist multi nicht mono, auch Print bleibt.

Wie bereits in 2011 startet auch dieses Jahr wieder mit einer Flut an Kongress Angeboten über die Zukunftsstrategien des Onlinehandels und Online-Marketings. Das Opening bestritt der Branchen Kick-Off Jahreskongress Online Handel 2012 des Management Forum der Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH Ende Januar in Bonn unter dem Motto „Online wird zu No-Line Handel“ .

Insgesamt rund 50 (!) Vorträge – aufgeteilt in 3 parallele Sessions über 2 Tage: Das war ein gewaltiges Programm und oft hatte man die Qual der Wahl. Positiv die insgesamt gute Organisation. Das futuristische und anspruchsvolle Hotel Kameha Grand in Bonn am Rhein war der richtige Rahmen (alles fließt). Die Frage ist nur, ob nicht weniger mehr wäre. Manch ein Vortrag war „fast food“, manch anderer nur eine Produktpräsentation von Herstellern. Die Zeit für Nachfragen und erst recht für Diskussionen war zu kurz. So mancher vermeidliche Trend muss wirklich infrage gestellt werden. Wie so viele Hypes – es kommt dann doch anders als man denkt.

Zunehmende Verschmelzung der Vertriebskanäle
Mit zunehmender Internetnutzung und rasantem Anstieg der Nutzung mobiler Endgeräte, wie Smartphones und Tablet-Computer, verschmelzen in den kommenden Jahren die Online- und Offline-Vertriebskanäle zu „Multi-Channel-Systemen“. Die nächste Entwicklungsstufe des Multi-Channeling gilt dem sogenannten No-Line-Handel. Die unterschiedlichsten Absatzkanäle vernetzen sich in einer Intensität, dass der Kunde sie als getrennte Verkaufsplattform gar nicht mehr wahrnimmt.
Die Kunden nutzen mind. 2 Vertriebskanäle, wobei hier informieren, vergleichen und kaufen die Nutzungsmotivationen darstellen. So kommt der Onlinehandelhandel unaufhaltsam in die Läden. Eine völlig neue Marktsituation entsteht, denn der Kunde vergleicht nicht nur stationär vs stationär, sondern on/offline .


Chance und Risiko
Den Onlinehandel auch im Stationärgeschäft einzubinden ist wiederum eine –insbesondere für große Handelsformate/Warenhäuser- durchaus positive Entwicklung. Zumindest in den USA erleben große Betriebsformen, wie JC Penney oder Nordstrom geradezu eine Renaissance im Wechselspiel des Informierens und Kaufens durch die Einbindung von Touchpoint Countern, oder Ausstattung des Personals mit Tablet Endgeräten. Doch die Chancen, die mit der wachsenden Zahl der Kommunikationskanäle verbunden sind, stellen zugleich auch ein erhöhtes Risiko dar: Ein Kunde, der im Internet, auf dem Smartphone oder dem Tablet-PC ein schlechtes Nutzererlebnis hat, meidet höchstwahrscheinlich auch den stationären Laden oder umgekehrt. Dieser kann sich selbst komplett ins Abseits bringen. Betroffen sind hier insbesondere die kleinen und mittleren Handelsunternehmen, die noch gar nicht die Zeit , Ressourcen oder das Kapital hatten eine komplett professionalisierte Multi Channel Vertriebsstruktur aufzubauen.

Was heißt das für Unternehmen?
Zum einen: die Zukunft wird wieder real, im Laden, man kann sie wieder “fassen“.

Zum anderen: wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung und können uns dem Online Trends nicht entziehen, denn die Welt von morgen wird eine andere sein. Der Kunde kauft anders, kommt auf vielfältigste Weise ins Geschäft – und - damit er kommt, dafür muss der Handel deutlich mehr tun.




Wo stehen die Unternehmen?
Zur Zeit beschäftigen sich die meisten Mittelständler immer noch mit der Frage, ob sie überhaupt online gehen sollen. Haben sie diese Einsicht gewonnen, wissen sie auch, dass sie gleichzeitig auch die Einbindung in das Social Commerce vornehmen müssen, war doch 2011 geprägt von Horrorszenarien, für den, der keine Follower hat. Es ist allerdings deutlich stärker zu differenzieren, was überhaupt „social media geeignet“ ist. Die Prognosen der Fan- Gemeinde schießen weit über das Ziel hinaus.

Und der nächste Trend steht auch schon vor der Tür – Mobile Commerce auf allen erdenklichen Endgeräten, Kunden, die nur noch bewaffnet mit ihrer mobilen Preissuchmaschine von einem QR Code zum nächsten shoppen.


Print bleibt
Interessant, dass die Freaks auf dem Kongress unter sich bleiben. Das Wort Print kommt selten vor, Gäste aus diesem Segment sind eine kaum wahrzunehmende Randgruppe. Interessant aber die Realität: In keinem Bereich geht es ohne. Im Gegenteil: Immer mehr Internet-Shop-Anbieter entdecken das Medium Katalog und Mailling oder Plakat. Zalando, Net a porter sind da nur prominente Beispiele. Auch der stationäre Händler, der ins Netz geht, nutzt zunehmend Print. Die Werbewirtschaft wird Markenbildung nicht alleine via Internet erreichen. Die Printbranche aber muss aus der Starre des Selbstmitleids raus. Es gibt eine neue Welt. Die ist Multichannel und Multimedia – in allen Bereichen ist Crosskompetenz ein „must have“.

Die Veranstaltungen und Summits der Zukunft werden entsprechend auch mehr Differenzierung und Komplexität brauchen. Das wird geschehen, wenn der Hype des Neuen sich legt.


Kaufmann bleiben statt Trendsurfen
Wie soll sich ein Unternehmer nun realistisch verhalten? Den Laden besser gleich schließen, oder alles mitmachen, ohne genau zu wissen, ob und wann der return on invest kommt?

Gibt es eine Lösung?
Ja, es gibt sie: gesunder „Menschenverstand“ und „Kaufmann“ bleiben.
Wer nur alles mitmacht in der Onlineschwarmintelligenz ist ein Getriebener, der off- u. online untergeht. Step by step herantasten, testen, messen, verstehen, Ableitungen treffen und das Ruder in der Hand behalten.
Das ist die Aufgabenstellung an den Handel.
Wenn etwas gemacht wird, aber bitte professionell, sonst wird’s teuer.


Güster, den 13.02. 2012
Michael Dömer

Unternehmerische Konsequenz gegen Print-Depression, DD 15.12

Große Branchenumfrage des „Deutschen Druckers“ zum Auftakt des Drupa-Jahres 2012

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Perspektive - Print 2012

„Der Druckspiegel“ interviewte für die Ausgabe 12/2011 verschiedene Unternehmensberater der Druckindustrie zum Thema „Bringt 2012 ein neues Start-up für Print"?

Meine Einschätzung zur Druckindustrie 2012 kann konjunkturell nur eine „ceteris paribus“ Betrachtung sein, weil die Umfeldprognosen sich ständig ändern. Anders meine Erwartungen zur Branche in struktureller grundsätzlicher Sicht.
Ich sehe – wie auch in früheren Prognosen – die Print Branche in einer deutlich besseren Situation als es die Schlechtwetter-Propheten ständig verkünden. Daran knüpfe ich aber klare Erwartungen an die Unternehmen. Das Jahr 2011 war deutlich besser als von vielen befürchtet. Auch im Bogenoffset gibt es positive Tendenzen. Die von einigen bewusst oder blauäugig angefachte „Angstdebatte“ über den Niedergang von Print schadet nur denen, die daran glauben. In 2012 und den Folgejahren wird die Erkenntnis reifen, dass man den Wettbewerb durch Internet und social Media überschätzt hat. Print wird seinen Stellenwert im Multichannel wieder stärken und insbesondere zum Premium Produkt werden. Um nicht falsch verstanden zu werden: Die Entwicklungen in den neuen Medien sind revolutionär, aber nicht mit dem Ergebnis einer Print-Vernichtung. Es wird in Teilbereichen von Print eine erhebliche Verschiebung in andere Medien geben. Es wird aber auch Marktbereiche geben, die eine Renaissance erfahren. In 2012 wird eine für Print positive Relativierung beginnen, dass es eine Positionierung auf Augenhöhe mit anderen Medien gibt. Die begrenzte Werbewirksamkeit von Internet und social Media und auch deren Akzeptanz wird zunehmend in zahlreichen Untersuchungen dargelegt. Versender kehren zurück zum Katalog, Internetanbieter entdecken Print, neue Zeitschriften machen Schlagzeilen, die Beilage boomt ungebrochen. Nur die eigene Branche redet sich schlecht und verunsichert die Werbetreibenden.
In 2012 wird es für die Zukunftsunternehmen in Print und Medien dringlich sein, die Geschäftsmodelle und ableitend die Performance anzupassen. Verkaufsorganisationen werden zu Multichannel - Beratern. Ich erwarte 2012 weitere Insolvenzen bei denen, die sich entweder nicht anpassen oder ein betriebswirtschaftliches Defizit haben und die Menge bedrucktes Papier als Parameter nehmen und nicht ihren EBITDA. Ich bin aber auch überzeugt, dass 2012 in der Preispolitik eine Trendwende vorsichtig beginnt, die sich dann beschleunigen wird.
So berichtet der Rollenoffset mehrheitlich über gleichbleibende bis steigende Umsätze und patiell auch zunehmende Preise in 2011 und erwartet das auch für 2012.
Skeptischer bin ich für die Lieferindustrie. Der Maschinenbau wird in 2012 keine Möglichkeiten zur signifikanten Erholung haben. Ersatzinvestitionen werden im vorsichtigen Umfang erfolgen. Vereinzelt kommt es zum Ausbau von Kapazitäten wie die jüngsten Investitionen in 96-Seiten Rotation zeigen. Aber das ist kein Megatrend.
Ich bin ein Freund stetiger technologischer Entwicklung. Das muss auch 2012 sein. Aber die Drupa in der bisherigen Konstellation wird keine Impulse im Wettstreit der Medien bringen und somit auch keine Belebung. Warum auch? Die Welt hat sich verändert. Die Drupa auch? Die Drupa wäre dann ein Segen für die Branche, wenn es gelingen könnte, im Netzwerk aller auch das Thema „Zukunft Print“ zu kommunizieren und vom Produkt aus zu denken.
Entscheider aus Marketingabteilungen und Agenturen, die Aufträge an die Branche vergeben sollen, sind verunsichert, welches Medium richtig ist. Sie interessieren sich derzeit nicht so sehr für die einzelne Technologie.
Bei der Zulieferindustrie werden sich zudem 2012 die Ergebnisse falscher „Restrukturierungsmaßnahmen“ aus 2010 und 2011 bemerkbar machen. Druckunternehmen klagen über schlechte Kommunikation und Organisation sowie fehlende Kundenorientierung bei ihren Lieferanten aufgrund falscher „Rotstiftentscheidungen“. Hier gilt es zu korrigieren – gerade im Drupa-Jahr.
Kurzum: In 2012 lichtet sich der Nebel für Print und die Chancen steigen für eine neue Qualität und Markenbewusstsein in der Branche. Es wird nicht boomen aber die Angst vor der Götterdämmerung kann einer Zuversicht weichen – für die, die 2012 zum Aufbruchjahr definieren.

Pressemitteilung vom 14.09.11 Kooperation Lange/Dömer

Kooperation zwischen Top-Trainer Dieter Lange und Michael Dömer Unternehmensberatung unterzeichnet.

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Insider Kolumne, Deutscher Drucker 28.07. 2011

Dinosaurier sterben aus - das Gebot der Stunde ist Personalentwicklung

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Insider Kolumne, Deutscher Drucker 10.03. 2011

Wer nur Kosten senkt, gefährdet Marktkompetenz und Motivation

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Auf ein Wort, Druck und Medien Februar 2011

Die Fälle Schlott und Johler Druck

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Weihnachtsumfrage 2010 PRINTKOMPRESS 887/888

Print goes online - das Heil für die Druckindustrie?

... und vice versa: Online goes print. Ebay, Online Shops, stationärer Handel – sie entdecken Print neu. E-Commerce ist weder Bedrohung, noch Heil. Es geht für die Printunternehmen darum, ihren Platz im Multichannel zu definieren. Zu den zentralen Aufgaben 2011 wird es weiterhin gehören, Leistungsportfolio und Vertriebspolitik zu überprüfen und sinnloses Umsatzdenken über Bord zu werfen. Das Team braucht neue Vorgaben für Erfolg! Das Gespenst E-Commerce darf nicht Alibi für Untergang oder Untätigkeit sein. Diese und eine Reihe weiterer Strukturveränderungen machen es erforderlich, einen Businessplan zu entwickeln und – Achtung! – auch umzusetzen.

von Michael Dömer, Dezember 2010

Pressemitteilung vom 11.11. 2010

Rollenoffset
EWA- Herbstkonferenz in Hamburg stellt Weichen für 2011

Das Engagement der Rollenoffsetdruckunternehmen in der European Web Association ist auch 12 Jahre nach der Gründung ungebrochen. Das berichtet der Moderator der Konferenz, Unternehmensberater Michael Dömer. Eine Teilnahme von 95% der Mitglieder sei ein positives Zeichen.

Die EWA – Mitglieder diskutierten auf ihrer Herbstkonferenz am 07./08. November 2010 im Hotel „Le Royal Meridien“ in Hamburg die Perspektiven der Branche und erarbeiteten Statements zu wichtigen Branchenthemen.

Die Konferenzteilnehmer berichten darüber, dass die Auslastungssituation im Herbst 2010 wesentlich besser als erwartet sei und die Kapazitäten vollständig auslasten würde. Die Horrorszenarien seien ausgeblieben. Besser als erwartet habe sich der Zeitschriftenmarkt erholt, die Beilagenproduktion sei stabil und auch im Kataloggeschäft ergäben sich für den Rollenoffset zwar einige Verschiebungen im Bereich Auflagen und Umfang, doch dass sei kein Anlass zur Besorgnis.

Die Ertragssituation spiegele allerdings dieses Bild nicht wieder. Den anhaltenden Preisdruck des Marktes halten die Unternehmer für gefährlich. Er habe allerdings eine Grenze erreicht. Immer mehr Unternehmer seien bereit, Maschinen kurzzeitig abzustellen oder Schichten zu reduzieren statt ruinöse Preise zu akzeptieren. „Kunden müssen für 2011 höhere Preise budgetieren“, so die Einschätzung von Michael Dömer.

Mit Sorge kommentiert die EWA die Preisentwicklung insbesondere für Papier und Farbe. Wenn die Papierindustrie keine Preissicherheit für 2011 gebe, könne niemand mit Verantwortungsgefühl für sein Unternehmen zu Festpreisen anbieten. „Preissteigerungen müssen 1:1 am Markt weitergegeben werden. Alles andere ist existenzgefährdend“, so die Empfehlung des Beraters.

Fusionen beobachten die Unternehmer mit großer Aufmerksamkeit. „Bei Farbe und Papier sind marktbeherrschende Oligopole entstanden und bedenklich“, so ein Teilnehmer. Sollten sich Fusionsgerüchte in der Papierindustrie bestätigen, müsse die kartellrechtliche Auswirkung sehr genau geprüft werden.

Klares Votum gegen staatliche Einflussnahme der EU auf Branchen-konsolidierung und damit verbundene Subventionen

Ein wichtiger Tagesordnungspunkt war das Statement zur Diskussion um eine mögliche Koordinierungsfunktion der EU zum Strukturwandel der Branche.

Zu diesem Tagesordnungspunkt war auch John Caris, CEO Roto Smeets eingeladen. Caris war verschiedentlich auf EU-Ebene in dieses Thema einbezogen worden. Er stellte sich in der Diskussion „ohne wenn und aber“ hinter die Forderung aller Unternehmer und Geschäftsführer aus der EWA, Subventionen ebenso abzulehnen wie jegliche Einmischung von EU–Kommissionen zur Investitionssteuerung einer Branche. Man müsse gemeinsam mehr Präsenz in Brüssel zeigen und deutlich machen, dass der Markt das entscheidende Regulativ zur Kapazitätsanpassung ist.


EWA verstärkt Lobbyarbeit

Ein klares Votum der Teilnehmer gab es auch zu einer verstärkten Lobbyarbeit für Print und insbesondere für den Rotationsdruck. Dies gelte gegenüber Brüssel, aber auch gegenüber anderen Institutionen und der Öffentlichkeit. Überzogene Gesetze und Werbeverbote dürfen nicht hingenommen werden.

Print müsse zudem mehr als wichtiger Bestandteil auch für die Zukunft im Multichannelzeitalter Position beziehen. Um das zu erreichen wurden diverse Beschlüsse gefasst und Arbeitsgruppen gebildet. 2011 will die EWA als Rotationsbranche in die Offensive gehen.


Zusammenarbeit mit dem Tiefdruck beschlossen – ERA als Partner

Nikolaus Broschek, Präsident der Tiefdruckorganisation ERA und Generalsekretär James Siever führten als Gäste mit den EWA – Unternehmern einen zukunftsweisenden Meinungsaustausch. Die Schnittmengen wachsen und es wäre töricht, sich gegenseitig abzugrenzen.
„Der Markt und die technischen Möglichkeiten entscheiden letztlich, welches Verfahren im Einzelfall richtig ist“ so Broschek. Im Übrigen schlossen sich die Repräsentanten des Tiefdrucks in aller Deutlichkeit der Forderung an, die Politik müsse sich aus den Themen heraushalten, die von den Unternehmen zu lösen sind.

Ein gemeinsamer Arbeitskreis aus EWA und ERA wird kurzfristig ein Konzept erarbeiten, wie beide Organisationen ihre Arbeit gemeinsam für die Branche verstärken können.


Positive Aufbruchstimmung gegenüber dem Strukturwandel

Michael Dömer berichtet gegenüber der Presse von einer positiven Aufbruchstimmung in den Unternehmen: „Die Krisensymptome sind mit viel unternehmerischem Geschick und Flexibilität überwunden, den strukturellen Themen stellt man sich mit Engagement und Kreativität. Unternehmen ist unbedingt zu raten, weiterem Preisdruck aus betriebswirtschaftlichem Aspekt konsequent zu widerstehen und Materialpreiserhöhungen weiter zu geben. Die Ertragslage lässt keinen Spielraum zu. Das zeigen die Analysen der Unternehmensergebnisse deutlich. Darüber hinaus wäre es natürlich grob fahrlässig und eine Todsünde gegen die Marktwirtschaft, dem Staat oder der EU mehr Einfluss zu überlassen. Es ist Sache eines jeden Unternehmers, ob er für sich Investitionen oder Kapazitätsabbau beschließt.“

Güster / Hamburg, 11. November 2010

Multichannel inklusive Print -

statt Leben in der Parallelgesellschaft

Deutscher Drucker Nr. 38 vom 18.11. 2010

Ich war sehr gespannt, ob die Druckindustrie aus dem Versandhandelskongress 2009 gelernt hatte. Leider scheint die Entwicklung einer Parallelgesellschaft noch zuzunehmen. Hier „good old print“ – dort „new economie“ mit E-Commerce. Während an den Messeständen der Drucker mangels zukunftsorientierter Gesprächspartner die Sinnfrage gestellt wurde, drängten sich die Besucher bei den „Solution“ -Anbietern für E-Commerce. Insbesondere aber im Kongresszentrum versammelte sich die Zukunft. In zahlreichen Vorträgen ging es um Internet-Shops – das Medium, über das inzwischen weit mehr als 50 Prozent der Bestellungen des Versandhandels erfolgen.
Ich habe viele Vorträge besucht, nur Druckunternehmer traf ich dort nicht – weder als Referent noch als Zuhörer. Print fand im einst gelobten Versandhandelsland kaum noch statt, weder in der Außenwerbung noch in den Vorträgen. Doch es gab Impulse in Hülle und Fülle für den Printunternehmer. Ich bin überzeugt, Print ist nicht tot!!
Vorraussetzung ist, dass man sich als Teil von Multichannel sieht. Als Teil muss ich aber auch das Ganze kennen, Schnittmengen verstehen, neue Dienstleistungen anbieten.
Fullfillment heißt einer der „Renner". Oder: Wie gelingt es, dass die Website bei Google ganz vorne erscheint? Wie muss die Ware präsentiert werden? Wie erreicht die Marke hohen Response? Können wir dem Versender Logistik, Retourenprobleme und 360 Grad Fotografie anbieten?
Wer Internetshop anbietet, macht es anders als der klassische Drucker.
Dort überlegt man stattdessen, wie mit breiteren Rollen und niedrigeren Papiergrammaturen Preise reduzierbar sind. Aus fast jedem Vortrag hätte ein Printunternehmer Ideen gewinnen können – für Print und für seine eigene Zukunft als Multichannelanbieter. Wie kann es sein, dass junge Leute aus der Finanzwirtschaft und Internetwelt als „start up“ alternative Medienkanäle zu Print aufbauen und mit Ende 20 Millionäre sind ? Printunternehmer investieren dagegen 20 Mio. Euro und verdienen damit kein Geld. Diese Erkenntnis macht mich zuversichtlich, weil sie deutlich die vielen ungenutzten Chancen der Print-Industrie zeigt. Außerdem: Es gibt mehr Print als man glaubt. E-Shop-Anbieter entdecken plötzlich Print-Werbung und Kataloge. „Next-a-porter.com“, einer der ganz Großen kommt plötzlich mit Flyern auf den Markt. Sehr hochwertig. Der Drucker allerdings braucht nicht mehr „Außendienstler“ sondern Berater für erfolgreiche Warenpräsentation und Fullfillment in Print und anderen Medien.
Drucker, kommt aus der Defensive! „Integration durch Verstehen und Mitmachen“ ist die Devise, statt Isolation in einer Parallelwelt. Multi eben, nicht mono!

Reaktion der EWA zur Stellungnahme des Europäischen Wirtscha

Reaktion der EWA zur Stellungnahme des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses vom 14. Juli 2010 unter der Überschrift „Für eine EU-Politik zur Sanierung der Rollenoffset- und Tiefdruck-Industrie in Europa“.

Die EWA (European Web Association) hatte sich bereits in der Gipfelkonferenz am 19.04.2010 in Hamburg einstimmig gegen die zu diesem Zeitpunkt vorliegende Initiative der EU-Kommission ausgesprochen. Auch wenn das neue Papier einige der gröbsten Fehler in den Prämissen beseitigt hat, bleibt die Zielsetzung einer Einmischung der EU-Bürokratie in die Märkte ebenso erhalten wie die Forderung nach Subventionierung für Großbetriebe, ja, sie wird sogar zum Teil verschärft. Die EWA, die ausschließlich durch Geschäftsführer, Inhaber und Vorstände der überwiegenden Anzahl von Rollenoffsetunternehmen im deutschen Markt vertreten wird, hat sich in einer kurzfristigen Abstimmung erneut gegen diese Bestrebungen auch des Arbeitspapiers der EU-Kommission vom 14. Juli 2010 ausgesprochen.

Aufgrund der zunehmenden Konkretisierung der EU-Bürokratie, in die unternehmerische Freiheit der Branche eingreifen zu wollen, werden sowohl die EWA als Organisation als auch einzelne Unternehmer im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch auf die Politik einwirken, um diese Tendenzen zu stoppen.

Völlig unklar bleibt, wer die zitierten Unternehmensorganisationen sein sollen, die an dieser Initiative mitwirken. Die EWA, als größte und nach unserer Kenntnis auch die einzige Vertretung des Rollenoffsets in Deutschland, wurde weder befragt noch eingebunden. Uns ist nicht bekannt, dass von Unternehmern legitimierte Vertreter repräsentativ daran teilgenommen haben.

Inhalt und Wortwahl des Papiers lassen darauf schließen, dass zunächst die Initiative und Inhalt über die europäischen Gewerkschaften sowie die EU-Bürokratie erfolgte.


Zu den Inhalten:
Es trifft zu, dass die Druckindustrie in einer konjunkturell und strukturell bedingten schwierigen Situation ist. Inwieweit die immer wiederholten 30 % Überkapazitäten vorhanden sind, muss zumindest hinterfragt werden. Ernstzunehmende echte Studien von Analysten sind uns nicht bekannt. Die einzigen Studien über Kapazitätsauslastung, die nachprüfbar sind, wurden 2006 und 2008 im Auftrag der EWA durch Unternehmensberater Michael Dömer erstellt und kommen für diesen Zeitraum zu deutlich anderen Ergebnissen.

Es ist allerdings richtig, dass es zu Strukturanpassungen kommen muss. Die EWA-Unternehmer sind einhellig der Meinung, dass diese Anpassung über den Markt erfolgen muss.

Staatliche Eingriffe und EU-Subventionen haben in den letzten Jahren die Strukturkrise mit herbeigeführt. Massive Subventionen des Staates und der EU in den Aufbau von Kapazitäten haben das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage beschleunigt. Unternehmen, die aufgrund ihrer schwachen Bonität und Marktperformance keine Kredite bekommen, erhielten Mittel und Bürgschaften durch die öffentliche Hand. Unternehmen, die im Rahmen von marktwirtschaftlichen Gesetzen aus dem Markt ausgeschieden waren, was somit zu einer strukturellen Anpassung geführt hätte, wurden durch öffentliche Gelder reanimiert. Diese Faktoren staatlicher Eingriffe führten vermehrt zu Verzerrungen und Preisdumping.

Das Bestreben der EU-Kommission ist es nun, durch zentrale Stellen die Entwicklung der Branche zu steuern. Interessanterweise spricht die Kommission von ca. 30 (!) Rollenoffsetunternehmen und 25 Tiefdruckunternehmen in Europa, die zu der Zielgruppe gehören. Diese Aussage und der Lösungsvorschlag, man müsse „eine angemessene Konsolidierung ... (gemeint ist Konzentrationsprozess) in der Übergangszeit in Betracht“ ziehen, lässt darauf schließen, dass sich das nicht förderlich auf den Mittelstand auswirkt.

Die Kommission möchte Umschulungsmaßnahmen fördern, Arbeitszeitverkürzungen erweitern und hat weitgehende Vorstellungen, wie durch „Arbeitsnormen“, „Spezialisierungsvereinbarungen“ und weitere in Gremien und Ausschüssen begleitete Maßnahmen die Zukunft der Branche und der Arbeitsplätze gesichert werden soll.

In Punkt 4.7.4 der „Perspektive“ fordert die Kommission die „Einrichtung einer Beobachtungsstelle oder eines Branchenrates für Berufe und Qualifikationserfordernisse“. „Mehr denn je offenbart sich die Notwendigkeit, eine echte europäische Industriepolitik gemäß dem Kommissionsvorschlag festzulegen“ heißt es in dem Papier.

An anderer Stelle fordert die Kommission, sich mit der Rolle der Drucksachenbroker zu beschäftigen und impliziert die Möglichkeit, deren Tätigkeit auf gesetzlichem Weg zu regulieren.

Die EWA hat als Unternehmensorganisation bereits vor 10 Jahren vor der schädlichen Auswirkung gewarnt, diese Berufsgruppe, die nur vom Preiskampf lebt, zu unterstützen. Allerdings ist es nicht Sache von staatlichen Gremien und Gesetzen, marktfeindliche Berufsverbote auszusprechen. Es ist Sache der einzelnen Unternehmer, ob sie Broker als Kunden akzeptieren.


Zusammengefasst:

1. Die Unternehmer der EWA erkennen die Notwendigkeit zur strukturellen Entwicklung der Branche. Innerhalb der Interessenorganisationen und Netzwerke ist es nötig, sich über die Marktentwicklung Gedanken zu machen und auszutauschen. Dies geschieht z.B. innerhalb der EWA.
2. Die EWA-Unternehmer begrüßen auch den Austausch mit den Arbeitnehmern, den Betriebsräten und auch der Gewerkschaft, wobei individuelle betriebliche Lösungen bevorzugt werden.
3. Entscheidendes Regulativ für eine gesunde Entwicklung ist der Markt. Die unternehmerische Freiheit, die auch Basis für eine enorme positive Entwicklung der Druckindustrie in der Vergangenheit ist, darf nicht durch Staat, EU oder Kommissionen verdrängt werden. Wohin das führt, haben staatlich gesteuerte Organisationen sowie andere Staatsformen gezeigt.
4. Die Unternehmer des deutschen Rollenoffsets sprechen sich gegen Subventionen aus. Auch zentrale Steuerung und Finanzierungen von Umschulungsmaßnahmen für bestimmte Unternehmen, die diese Mittel im Rahmen von Sozialplänen erhalten sollen, führen zu Verzerrungen.
Auch in der Druckindustrie ist mit Facharbeitermangel in einigen Berufsbildern zu rechnen. Es ist fatal, durch das Publizieren staatlich finanzierter Umschulungsmaßnahmen jungen Menschen den Eindruck einer instabilen Branche zu vermitteln. Auch der Arbeitsmarkt reguliert sich in dem Sinne, dass Menschen sich zukunftsträchtige Berufsbilder aussuchen werden.

Es gibt intensive Bemühungen vieler mittelständischer Druckunternehmen, die Strukturveränderungen durch unternehmerisches Geschick zu bewältigen. Subventionierungen und zentrale Steuerung von Großunternehmen würden diese in eine bessere Lage im Wettbewerb bringen und dem fairen Wettbewerb schaden.

Die Unternehmer der EWA möchten wissen, welche Unternehmensorganisation mit welcher Legitimation in diesem Ausschuss mitwirkt.

Sie lehnt die Zielsetzung des vorliegenden Papiers ab.

Neben den Verzerrungen und Eingriffen in die marktwirtschaftliche Freiheit der Druckunternehmer wird die gesamtwirtschaftliche Gefahr gesehen, dass durch immer mehr Staat und EU-Bürokratie das Erfolgsmodell Marktwirtschaft unterlaufen wird.

Güster, den 31. August 2010

Michael Dömer, Sprecher und Initiator der EWA

Print bleibt in der Werbung „eindeutig dominant“

Ende April trafen sich die Geschäftsführer, Inhaber und Vorstände der Rollenoffsetunternehmer wieder zur Frühjahrskonferenz der European Web Association (EWA) in Hamburg. Themen waren die Marktentwicklung, Kapazitätserwartungen und Prognosen für die nächsten fünf Jahre im Rollenoffset und Tiefdruck. Print & Produktion 5-6/2010

Auch die 36. Konferenz zeigte das hohe persönliche Engagement der Unternehmer, die ca. 70% der Branche repräsentierten. Über 90% der Mitglieder waren angemeldet. Auch das totale Flugverbot konnte die Mehrzahl nicht abhalten, kurzfristig auf Auto und Bahn umzusteigen, um nach Hamburg zu kommen.

In seiner Eröffnungsrede betonte Unternehmensberater Michael Dömer die Notwendigkeit, sich auf Strukturveränderungen der Branche proaktiv einzustellen. Er warnte jedoch davor, mit interessengeleiteten Panikstudien die Branche kaputt reden. Jüngste Veröffentlichungen seien Meinungen, die nicht mit seriösen Daten hinterlegt seien. Ebenso müsse die zweifellos gute PR-Arbeit der E-Medien relativiert und mit mehr Print-Präsens begegnet werden.

Dömer erläuterte die Ergebnisse eines Dossiers des Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft ZAW, das für 2010 zwar von sinkenden Werbeeinnahmen ausgeht, aber Print auch in Zukunft mit über 70% als „eindeutig dominant“ beschreibt. In dieser Studie werden auch die deutschen Berichte über Tendenzen in der Zeitungsbranche in den USA als „zum Teil sehr oberflächlich“ bezeichnet, was zu verzerrten Schlussfolgerungen führe. „Es ist genügend Zeit für eine kluge Strategieanpassung“, so Dömer. „Wir brauchen aber mehr Selbstbewusstsein und zukunftsweisende Projekte statt Opferstories und Klamauk falscher Propheten“.


Mehr oder weniger Umsatz nach der Krise?

In weiteren Vorträgen und diversen Analysen verschiedener Quellen – so auch eigene Statistiken aus den Unternehmen – wir auch deutlich, dass der Aufbau von Kapazitäten im Gegensatz zur Marktentwicklung der letzen Jahre steht. In ihren Vorträgen konnten Mike Medweth, OZ Druck Rheinfelden, Jörn Kalbhenn, B+K, Ottersweier und Axel Hentrei, Mohn Media, aus ihren jeweiligen Marktstrukturen äußerst interessante Impulse für die spätere Plenumsdiskussion geben. Wie schwierig es derzeit ist, eine klare Marktprognose zu geben, zeigt das Stimmungsbild: Je ein Drittel der Meinungen verteilten sich auf weniger, gleichbleibend oder mehr zu erwartende Umsätze für den Rotationsdruck nach der Konjunkturkrise.

Einig ist man sich jedoch darin: Das Leistungsportfolio muss sich für die Branche deutlich erweitern. Mehr Dienstleistungen und Print-Management als Ganzes werden die Zukunft bestimmen. Diese Leistung unterscheidet sich allerdings deutlich von Brokern oder den klassischen Drucksachenmaklern, die lediglich von Preistreiberei profitieren und keine Zukunft haben. Das qualitative „Add on“ verhindere einen weiteren Preisverfall, der zudem nicht mehr verkraftbar sei.


Gegen EU-Subventionen

Eine mit einstimmigen Votum klare Absage richtet die EWA-Konferenz gegen ein Papier der CCMI, einem Organ der EU Kommission, das eine Beschlussfassung für die EU zur Regulierung und Subventionierung der Großunternehmen in der Europäischen Druckindustrie zum Ziel hat. „Staatliche Steuerung und Subventionierung können nicht die Lösung im Strukturwandel sein“, so die Kernaussage der EWA-Stellungnahme an die Kommission. Die EWA-Konferenz richtet ihre Kritik seit Jahren schon gegen Wettbewerbsverzerrungen, die durch staatliche Finanzierung von maroden Unternehmen erfolgt. Auch wenn sich vereinzelt Großbetriebe für Subventionierungen der EU stark machen, um ihre Probleme zu lösen, so bleibe dies ein Verstoß gegen den Markt. „Da hilft es auch nichts, wenn diese Gelder unter dem Begriff „Umschulungsmaßnahmen“ versteckt werden“, so die Meinung eines Unternehmers.

Die regulierende Bürokratie der EU habe der Werbewirtschaft ohnehin schon viel Schaden zugefügt. Dieses Votum wir die EWA auch in das Board-Meeting der Tiefdruckorganisation ERA einbringen, das sich in Kürze mit diesem Thema beschäftigen wird, da die EU-Initiative ursprünglich von einem Tiefdrucker ausgelöst wurde. Eine Arbeitsgruppe der EWA will außerdem die zum Teil falschen Prämissen des Papiers korrigieren und der Kommission schicken.


Offen für Tiefdrucker

Im Übrigen befürwortet die 36. EWA-Konferenz ein engeres Miteinander mit dem Tiefdruck. Die Schnittmenge werde größer und man sollte besser vom Rotationsdruck reden. Der Erfahrungsaustausch, Marktanalysen und auch eine Vertretung gegenüber Politik, Lieferindustrie und Öffentlichkeit müsse übergreifender erfolgen. Die EWA wirbt entsprechend um eine gute Zusammenarbeit mit der ERA und ist für weitere Interessenten aus dem Tiefdruck offen.

Antwort von M. Dömer zu: „Auf ein Wort...“ von John Caris

Antwort von Michael Dömer, Unternehmensberater
Zu: „Auf ein Wort...“ von John Caris
Druck & Medien Juli 2010

In seinem Beitrag „Auf ein Wort“ in der Ausgabe Druck & Medien Juni 2010 fordert der CEO des holländischen Tiefdruck- und Rollenoffsetunternehmens John Caris: „die europäische Union kann den Prozess (der Kapazitätsreduzierung) unter Umständen abfedern.“ Weiter sagt er: „ Eine weitere wichtige Rolle der EU könnte sein, sicherzustellen, dass Kapazitäten tatsächlich vom Markt genommen werden.“

Die EWA (European Web Association) Konferenz hat sich in ihrer letzten Gipfelkonferenz einstimmig gegen Subventionen und Einmischung der EU-Kommission in die Marktsteuerung der Druckindustrie ausgesprochen. Diese Grundsatzentscheidung für Markt und gegen staatliche Steuerung und Regulierung wird ergänzt durch die Warnung davor, dass die geforderte Subventionierung von Umschulungsmaßnahmen für internationale Großbetriebe zu Lasten des Mittelstandes gehen würde. Damit erklärt sich eine wesentliche Gruppe von Unternehmern – in der Rollenoffsetorganisation EWA sind immerhin ca. 3,3 Mrd. € Umsatzvolumen, die von fast 15.000 Mitarbeitern erwirtschaftet werden – vertreten.

Ich kann verstehen, dass John Caris für die schwierige Situation seines Konzerns durch die Unterstützung der EU Erleichterungen bei Sozialplänen begrüßt und ich möchte auch ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Kritik sich nicht an die Adresse derjenigen wendet, die legal ihre Möglichkeiten ausschöpfen. Doch sowohl finanzielle Begünstigungen als auch Investitionssteuerungen durch den Staat zerstören den Markt.

Wir legen seit geraumer Zeit die Axt an das System, das uns Wohlstand und unternehmerische Freiheit gebracht hat. Wir hätten einen großen Teil der Überkapazitäten bereits abgebaut oder vielleicht erst gar nicht aufgebaut, wenn man die Entwicklung dem Markt überlassen hätte statt der Politik. Es kann doch nicht ernsthaft sein, dass man Unsummen von Steuergeldern in den Aufbau von Maschinenkapazitäten investiert, um sie aus einem anderen Topf mit Steuergeldern wieder abzubauen? Wie krank ist es denn, wenn Unternehmen in der Druckindustrie, die nicht zuletzt wegen Managementfehlern in die Insolvenz gegangen sind, wieder mit Subventionen aufgepäppelt werden? Die Marktbereinigung wird durch Subventionierungen und das Insolvenzrecht vom Staat verhindert – das ist das Problem.

Roto Smeets wie auch andere Unternehmen haben bereits öffentliche Mittel erhalten und gehen mit diesem Geld in den verschärften Wettbewerb zu Unternehmen, die diese Subventionen erst möglich machen, weil sie durch eine erfolgreiche Unternehmensführung Steuern zahlen.


Kürzlich sagte mir der CEO eines großen Druckkonzerns, man müsse aufpassen, dass sein Wettbewerb nicht in die Insolvenz gehe, Der Schaden wäre größer, als wenn er weiterkämpfe. Wer pleite macht, der kommt nicht selten wie Phönix aus der Asche zurück in den Markt - entschuldet und mit besseren Startbedingungen durch das Insolvenzrecht und gefördert durch den Staat und die EU. Der erfolgreiche ist der Dumme. Vergleichbar wäre es, wenn die unterlegene Fußballmannschaft vom Schiedsrichter 2 Tore Vorsprung vor der führenden Mannschaft gutgeschrieben bekäme. Diese Tore hatte man vorher der erfolgreichen Mannschaft abgezogen.

Übrigens: die EU Bürokraten haben unsinnig mit ihren Schutzgesetzen bereits einigen Schaden in der Werbewirtschaft angerichtet. Werbeverbote reduzieren das Print Volumen.

Konsequenz: lassen wir auch in der Druckindustrie die Gesetze des Marktes zu. Die Forderung nach Geldern zu Umschulungszwecken an Großbetriebe ist eine verdeckte Subvention. Gerade angesichts leerer Staatskassen sollte die Forderung von Unternehmen nach öffentlichen Geldern nicht gestellt werden.

Absage an Panikstudien und klares Votum gegen Vorlage der EU

DRUCKMARKT impressions 18 vom 03. Mai 2010

Bericht zur Absage an Panikstudien und zum klaren Votum gegen Vorlage der EU-Kommission der Rollenoffset-Konferenz der European Web Association (EWA) vom 18. und 19. März 2010 in Hamburg.

Zur Frühjahrskonferenz der European Web Association (EWA) trafen sich Geschäftsführer, Inhaber und Vorstände der in der EWA organisierten Rollenoffsetbetriebe am 18. und 19. März in Hamburg. Die EWA ist die größte privatwirtschaftliche Organisation des Rollenoffsets im deutschsprachigen Raum und wurde 1998 von Unternehmensberater Michael Dömer gegründet. Die in der EWA vertretenen Unternehmen repräsentieren ein Umsatzvolumen von über 3,5 Mrd. € und rund 2/3 der deutschen Maschinenkapazität. Fast 15.000 Menschen arbeiten in den Unternehmen der EWA.


Interessengeleitete Panikstudien

Der EWA Initiator Michael Dömer appellierte in seiner Eröffnungsrede an die Unternehmer, sich auf die Strukturveränderungen der Branche proaktiv einzustellen, warnte jedoch vor interessengeleiteten Panikstudien, die die Branche kaputt reden. Jüngste Veröffentlichungen seien nicht mit seriösen Daten hinterlegt. Ebenso müsse die PR-Arbeit der e-Medien relativiert werden und mit mehr Print-Präsens begegnet werden. Dömer erläuterte die Ergebnisse eines Dossiers des Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft ZAW, das für 2010 zwar von sinkenden Werbeeinnahmen ausgeht, Print aber auch in Zukunft mit über 70% als eindeutig dominant sieht. In dieser Studie werden auch die Berichte über Tendenzen in der Zeitungsbranche in den USA als „zum Teil sehr oberflächlich“ bezeichnet, was zu verzerrten Schlussfolgerungen führe. „Es ist genügend Zeit für eine kluge Strategieanpassung“, so Dömer. „Wir brauchen aber mehr Selbstbewusstsein und zukunftsweisende Projekte statt Opferstories und Klamauk falscher Propheten“.
In weiteren Analysen und eigenen Statistiken aus den EWA-Unternehmen wird zudem deutlich, dass der Aufbau von Kapazitäten im Gegensatz zur Marktentwicklung der letzen Jahre steht.
Wie schwierig es ist, eine klare Marktprognose zu geben, zeigt das Stimmungsbild: Je ein Drittel der Meinung verteilt sich auf weniger, gleichbleibend oder mehr zu erwartende Umsätze für den Rotationsdruck nach der Krise.
Einig ist man sich jedoch darin: Das Leistungsportfolio muss sich deutlich erweitern. Mehr Dienstleistungen und Print-Management als Ganzes werden die Zukunft bestimmen. Diese Leistung unterscheidet sich allerdings deutlich von Brokern oder Drucksachenmaklern, die lediglich von Preistreiberei profitieren. Qualitatives „Add on“ verhindere einen weiteren Preisverfall, der nicht mehr verkraftbar sei.


Keine EU-Subventionen gewünscht

Eine klare Absage richtet die EWA-Konferenz gegen ein Papier der CCMI, einem Organ der EU Kommission, das eine Regulierung und Subventionierung der Großunternehmen in der Europäischen Druckindustrie zum Ziel hat. „Staatliche Steuerung und Subventionierung können nicht die Lösung im Strukturwandel sein“, so die Aussage der EWA-Stellungnahme an die Kommission. Die EWA richtet ihre Kritik seit Jahren schon gegen Wettbewerbsverzerrungen, die durch staatliche Finanzierung von maroden Unternehmen erfolgt. Auch wenn sich vereinzelt Großbetriebe für Subventionierungen der EU stark machen, um ihre Probleme zu lösen, bleibe das ein Verstoß gegen den Markt. Da helfe es auch nicht, wenn diese Gelder unter dem Begriff Umschulungsmaßnahmen versteckt würden. Die regulierende Bürokratie der EU habe der Werbewirtschaft ohnehin schon viel Schaden zugefügt. Dieses Votum wir die EWA auch in das Meeting der Tiefdruckorganisation ERA einbringen, das sich in Kürze mit diesem Thema beschäftigen wird. Eine Arbeitsgruppe der EWA wird zudem die zum Teil falschen Prämissen des Papiers korrigieren und der Kommission schicken.
Im Übrigen befürwortet die 36. EWA-Konferenz ein engeres Miteinander mit dem Tiefdruck, da die Schnittmenge größer werde und man besser vom Rotationsdruck sprechen sollte. Der Erfahrungsaustausch, Marktanalysen und eine Vertretung gegenüber der Politik, Lieferindustrie und Öffentlichkeit müsse übergreifender erfolgen. Die EWA wirbt entsprechend um eine gute Zusammenarbeit mit der ERA und ist für weitere Interessenten aus dem Tiefdruck offen.

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